Lied der Woche

LIED DER WOCHE 8

Mit dem "Lied der Woche" veröffentlichen wir jede Woche ein neues Lied aus unserer Reihe "Der ganze Hugo Wolf" auf unseren Plattformen (Youtube, Facebook) sowie auf unserer Webseite www.ihwa.de. Ergänzt wird der musikalisch-visuelle Genuss um Informationen rund um dieses Lied von Hugo Wolf, sodass hier nach und nach eine umfassende und informative Mediathek der Lieder unseres Namenspatrons entsteht. Wir wünschen viel Freude damit!

Das Video entstand im Rahmen der Reihe "Der ganze Hugo Wolf" am 5. November 2016 im Hospitalhof Stuttgart (Der ganze Hugo Wolf III)

LIEDTEXT
Über Nacht, über Nacht
Kommt still das Leid,
Und bist du erwacht,
O traurige Zeit!
Du grüßest den dämmernden Morgen

Mit Weinen und mit Sorgen.

Über Nacht, über Nacht
Kommt still das Glück
Und bist du erwacht,
O selig Glück!
Der düstre Traum ist zerronnen,
Und Freude ist gewonnen.

Über Nacht, über Nacht
Kommt Freud' und Leid,
Und eh du›s gedacht,
Verlassen dich beid›,
Und gehen dem Herrn zu sagen,
Wie du sie getragen.

TEXTDICHTER: Julius Sturm (1816–1896)

KOMPOSITIONSJAHR: 1878

INFOTEXT von Susan Youens (deutsche Übersetzung: Ulrich Steller):
Wolfs Verhältnis zur Natur hatte etwas Elementares. Sein Freund Edmund Hellmer schrieb, nach Wolf suchen würde er instinktiv draußen im Freien, als könne er ihn dort leichter auftreiben als anderswo. Über Nacht ist eines von Wolfs frühen Liedern nach einem religiösen Gedicht des Theologen, Pastors und Poeten Julius Sturm (und Wolfs einzige Vertonung dieses Dichters). Im Klaviervorspiel (wie wunderschön farbig man doch eine dominante Einleitung gestalten kann!) und den Momenten seines Wiederauftauchens hat Wolf erstmals die auf ihre stille Art nervösen, gebrochenen Rhythmen geschaffen, die wir Jahre danach in seiner Vertonung von Lord Byrons Sonne der Schlummerlosen und Alle gingen, Herz, zur Ruh aus dem Spanischen Liederbuch hören werden: An allen drei Stellen nehmen wir die rastlosen Herzschläge wahr, den unruhig pochenden Puls derer, die zu gequält sind, um Schlaf zu finden. (Ich frage mich, ob Wolf die Parallelen zwischen dem Gedicht von Sturm – mit der Gegenüberstellung von nächtlicher Sorge und nächtlicher Freude sowie einer Verbindung der beiden, für die Gottes Hilfe erbeten wird – und Mörikes Verborgenheit  bemerkt hat, als er Letzteres zehn Jahre später vertonte, eins seiner am häufigsten aufgeführten Lieder. Beiden Dichtern, einer schulmeisterlicher als der andere, geht es darum, wie man extreme Emotionen, an beiden Enden des Spektrums, ertragen kann.)


There was something elemental in Wolf’s relation to nature; his friend Edmund Hellmer wrote that he would instinctively look for Wolf out in the countryside, as though he were more easily to be found there than anywhere else. "Über Nacht" is one of Wolf’s early songs, a setting of a pious poem by the theologian-pastor-poet Julius Sturm (Wolf’s only setting of this man’s work). It is in the piano introduction (how to make dominant preparation beautifully colorful) and its recurrences thereafter that Wolf first created the quietly nervous, broken rhythms that we will hear again years later in his setting of Lord Byron’s “Sonne der Schlummerlosen” and the Spanish song “Alle gingen, Herz, zur Ruh” in all three instances, we hear the restless heartbeats, the unquiet throbbing pulse of those too tormented to sleep. (I wonder whether Wolf noticed the links between Sturm’s poem contrasting sorrow by night, joy by night, and a mixture of the two for which God’s aid is invoked and Mörike’s “Verborgenheit” when he set the latter, one of his most often-performed songs, ten years later. Both poets, the one more doctrinal than the other, are concerned with how ones bears emotional extremity at either end of the spectrum.)

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